James and Warrington

credo ut intelligam

Dem Philosophiebegriff bei Pythagoras, Platon und selbst bei Aristoteles, dem Begründer einer ‘wissenschaftlichen’ Philosophie, liegt folgendes zugrunde:

Neque enim quaero intelligere ut credam, sed credo ut intelligam

Hier kommt das Dilemma einer Philosophie in Sicht, die weder Mythos noch Theologie kennt, und die dennoch, noch immer, das zu sein beansprucht, was Pythagoras-Platon-Aristoteles Philosophie genannt haben.

Für einen Menschen der westlichen Welt scheint es sehr schwer, die aus der christlichen Tradition stammenden Voraussetzungen völlig zu eliminieren, d.h. in keiner Weise durch die Zuordnung zu jenem, wenn auch verborgenen, theologischen Kontrapunkt geformt zu sein.

Diese Schwierigkeit ist besonders offenkundig im Falle Descartes’. Descartes fragt: warum muß eine klare und deutliche Erkenntnis notwendig wahr sein? Descartes antwortet: weil Gott wahrhaftig ist und mich unmöglich täuschen kann. Zweifellos ist diese Antwort ein Element jener gleichen Glaubenstradition, auf deren prinzipieller Auschließung die Philosophie Descartes’ angeblich beruht.

Oder wenn Immanuel [Gott mit uns] Kant in seiner Religionsphilosophie rund fünfundsiebzig Mal die Bibel zitiert, so scheint er kaum “innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft” geblieben zu sein. Natürlich wird niemand dies Werk deswegen als ‘christliche’ Philosophie bezeichnen wollen. Aber kann man es schlechthin ‘nicht-christlich’ nennen?

Es handelt sich hier um die berühmten Inkonsequenzen, die Jean Paul Sartre der ganzen Philosophie des 18. Jahrhunderts zum Vorwurf macht. “Der atheistische Existentialismus, den ich repräsentiere, ist konsequenter”, so sagt er. Dennoch, die Negation des christlichen Schöpfungsbegriffs spielt bei Sartre eine solche Rolle, daß ein vorchristlicher Nihilist vom Schlage des sophistischen Gorgias ihn niemals verstanden hätte. Man muß offenbar Christ sein, um Sartre lesen zu können.

Zweifellos wird die ‘Säuberung’ der Philosophie von den letzten Resten einer Zuordnung zu einer theologischen Weltdeutung immer konsequenter voranschreiten. Und dieser Liquidation werden sicher nach und nach sämtliche Einsichten zum Opfer fallen, die auf Grund der Struktur credo ut intelligam zustande gekommen sind. Erst das letzte Resultat dieses Prozesses würde eine schlechthin ‘nicht-christliche Philosophie’ sein. Und von ihr zu sagen, sie werde zugleich eine ‘Nicht-Philosophie’ sein - dies scheint mir in der Tat keineswegs absurd.

Wie sollte es nicht absurd sein, das ausdrückliche Absehen (disregard) von Weisheit Suche nach Weisheit (philo-sophia) zu nennen?

- Josef Pieper

kulturelle Eigenkritik

“Keine Kultur kann sich von der geistigen Anstrengung dispensieren, das Eigene mit dem Guten zu konfrontieren und, soweit es eben möglich ist, zur Deckung zu bringen.”

- Aristoteles

grammar, dialectic, logic, metaphysics

Having learned from Grammar how to talk, we must learn from Dialectic how to talk sense - to argue, to prove and disprove.

Everyone who has tried to teach mere Logic knows how difficult it is, especially with an intelligent pupil, to avoid raising questions which force us into Metaphysics.

J&W - the new Old School

Philipp Starck on design

Good design does not think about design - it thinks about life.

Schlüsselsatz

“Carl Schmitt hat einmal zu bedenken gegeben, es komme darauf an, in einem gegebenen Buch den Schlüsselsatz zu finden.”

- Till Kinzel, Platonische Kulturkritik in Amerika

die zehn Gebote [des Dieter Rams]

zum Sonntag der Rams’sche Dekalog des guten Designs:

1. Gutes Design ist innovativ. Aber innovatives Design entwickelt sich immer in Hand mit innovativer Technologie, niemals als Selbstzweck.

2. Gutes Design unterstreicht den Nutzen eines Produkts. Ein Produkt wird gekauft, um benutzt zu werden. Es muss bestimmte Kriterien erfüllen, nicht nur funktionale, sondern auch psychologische und ästhetische.

3. Gutes Design ist ästhetisch. Produkte, die wir jeden Tag benutzen, wirken auf unsere Person und unser Wohlbefinden. Aber nur gut ausgeführte Objekte können schön sein.

4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich. Es lässt das Produkt sprechen. Am besten ist es, wenn es für sich selbst spricht.

5. Gutes Design ist unaufdringlich. Produkte sind weder dekorative Gegenstände noch Kunstwerke. Ihr Design sollte neutral und zurückhaltend sein, um dem Benutzer Raum für seinen eigenen Ausdruck zu lassen.

6. Gutes Design ist ehrlich. Es versucht nicht, den Verbraucher mit Versprechen einzuwickeln, die nicht gehalten werden.

7. Gutes Design ist langlebig. Es ist nicht modisch und erscheint daher auch nie antiquiert. Es hält viele Jahre - auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft.

8. Gutes Design ist gründlich gemacht, bis ins letzte Detail. Nichts daran ist willkürlich oder dem Zufall überlassen. Sorgfalt und Genauigkeit in der Gestaltung zeigen Respekt gegenüber dem Benutzer.

9. Gutes Design ist umweltfreundlich. Design kann einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung liefern und die von dem Produkt verursachte physische und visuelle Umweltverschmutzung minimieren.

10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. Weniger, aber besser: Es konzentriert sich auf die wesentlichen Aspekte des Produkts.

trans-relating to things

“… The great gain was that I very soon became able to understand a great deal without (even mentally) translating it; I was beginning to think in Greek. That is the great Rubicon to cross in learning any language. Those in whom the Greek word lives only while they are hunting for it in the lexicon, and who then substitute the English word for it, are not reading the Greek at all; they are only solving a puzzle. The very formula, ‘Naus means a ship’, is wrong. Naus and ship both mean a thing, they do not mean one another. Behind Naus, as behind navis or naca, we want to have a picture of a dark, slender mass with sail or oars, climbing the ridges, with no officious English word intruding.”

- C.S.L.

blindsided

… it is difficult to see when my eyes are on me

on theories - part 4

“The great masters do not take any model, or any theory, quite so seriously as the rest of us. They know that it is, after all, only a model, only a theory, and as such possibly replacable.”

Theories and Poets

In every period the particular Model of the Universe which is accepted by the great thinkers helps to provide what we may call the backcloth for the arts. But this backcloth is highly selective. It takes over from the total Model only what is intelligible to a layman and only what makes some appeal to imagination and emotion.

Thus our own backcloth contains plenty of Freud and little of Einstein. The medieval backcloth, for instance, contained the order and influences of the planets, but not much about epicycles and eccentrics. Nor does the backcloth always respond very quickly to great changes in the scientific and philosophical level.

Not only epistemologically but also emotionally the Model probably means less to the great thinkers than to the poets. This, I think, must be so in all ages. Quasi-religious responses to the hypostatised abstraction Life are to be sought in Shaw or Wells or in a highly poetical philosopher such as Bergson, not in the papers and lectures of biologists. For instance, delight in the medieval Model is expressed by Dante or Jean de Meung rather than by Albertus and Aquinas.

This is partly so, no doubt, because expression, of whatever emotion, is not the business of philosophers. But this is also so, as already said, because it is not in the nature of things that great thinkers should take much interest in Models.

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